Terrassenbau im Bauhäusle - ein Gemeinschaftsprojekt

Studierendenwerk Stuttgart und Seehaus e.V. kooperieren

Zwischen dem Studierendenwerk Stuttgart und Seehaus e.V. kam dieses Jahr eine besondere Kooperation zustande: Jugendliche des Strafvollzugs in freien Formen und Studierende aus der studentischen Wohnanlage Bauhäusle setzten gemeinsam den Neubau einer Terrasse im Bauhäusle um. Für beide Seiten ein Gewinn!

Wer im Bauhäusle, einer der selbstverwalteten Wohnanlage des Studierendenwerk Stuttgart wohnt, der muss mit anpacken. Die außergewöhnliche Wohnanlage ist in den 1980er-Jahren als studentisches Projekt entstanden und wurde damals von rund 250 Studierenden errichtet. Ausgestattet mit einer Werkstatt und den entsprechenden Geräten, übernehmen noch heute die Mieterinnen und Mieter Instandhaltung und Gartenpflege des Bauhäusles. Als großes Projekt stand in diesem Jahr der Neubau einer Terrasse auf der Agenda, da die alte bereits morsch war und abgerissen werden musste. Um das handwerkliche Geschick der Studierenden für den Terrassenbau zu erweitern, suchte Michaela Schlamp aus der Abteilung Technik des Studierendenwerks nach geeigneten Handwerkskursen. Über einen ehemaligen Bauhäusle-Bewohner kam der Kontakt zum Seehaus Leonberg zustande – die Idee zum Gemeinschaftsprojekt war geboren.

 

Beginn einer wertvollen Kooperation 

Im Juni hatten die Bewohnerinnen und Bewohner des Bauhäusles die Möglichkeit kostenfrei an drei Schulungsterminen mit den Auszubildenden im Seehaus teilzunehmen. Dabei erlernten sie hilfreiches Fachwissen für ihr Bauprojekt und durften es vor Ort gleich praktisch anwenden. „Die Kooperation ist für uns ein echter Glücksfall“, sagt Michaela Schlamp. „So können wir unseren Mieterinnen und Mietern Handwerkskurse ermöglichen, das Bauhäusle instand halten und gleichzeitig die wertvolle Arbeit, welche die Beschäftigten im Seehaus leisten, unterstützen.“ Gemeinsam mit Gerd Rühle, der im Bereich Zimmerei/ Bau im Seehaus tätig ist, planten die Studierenden und Auszubildenden Aufbau und Form der neuen Terrasse sowie die Materialbestellung. Ihm ist die Kooperation ein besonderes Anliegen: „Mir ist es wichtig unseren Jugendlichen Zukunftsperspektiven aufzuzeigen. Da ist es die beste Motivation sie mit Menschen in Kontakt zu bringen, durch die solche Chancen und Möglichkeiten sichtbar werden.“ Gleichzeitig können die Jugendlichen ihr erlerntes Wissen mit den Studierenden teilen und mit der gemeinnützigen Arbeit einen symbolischen Ausgleich zur Wiedergutmachung ihrer Straftaten leisten.

Aktiv umgesetzt wurde das Terrassen-Projekt dann Ende Juli an drei Tagen im Bauhäusle, mit professioneller Unterstützung durch Seehaus-Ausbilder Michael Lutz und zwei seiner Auszubildenden. Material sowie Arbeitszeit der Seehaus-Beschäftigten für die Projektumsetzung im Bauhäusle wurden durch das Studierendenwerk Stuttgart finanziert. Dabei war das Feedback aller am Projekt Beteiligten durchweg positiv. Die Zusammenarbeit hat deshalb so gut funktioniert, weil die Jugendlichen aus dem Seehaus und die Studierenden aus dem Bauhäusle ganz vorbehaltlos aufeinander zugegangen sind. Tobias M. Burchard, Geschäftsführer des Studierendenwerks ist sich mit Stephan Schneider, Leiter der Abteilung Wohnen, Bau und Technik, einig: „Eine Kooperation mit so positiver Resonanz wollen wir auch in Zukunft fortführen. Wir stehen bereits im Austausch mit dem Seehaus Leonberg und planen weitere Projekte.“

 

Über das Seehaus

Das Seehaus Leonberg ist eine Modelleinrichtung für straffällige Jugendliche und Heranwachsende zwischen 14 und 23 Jahren mit Strafvollzug in freien Formen. Jugendliche, die bereit sind an sich zu arbeiten, können sich vom Jugendstrafvollzug aus für das Seehaus bewerben. Nach Zustimmung des Anstaltsleiters verbringen sie ihre gesamte Haftzeit im Seehaus. Bis zu sieben Jugendliche wohnen mit Hauseltern und deren Kindern zusammen und erfahren so – oft zum ersten Mal – funktionierendes Familienleben, Liebe und Geborgenheit. Gleichzeitig erwartet sie ein durchstrukturierter Arbeitsalltag mit festen Regeln, in dem sie ihren Schulabschluss nachholen oder das erste Lehrjahr in den Bereichen Holztechnik, Bautechnik und Metalltechnik absolvieren können.

 

Über das Bauhäusle

Das Bauhäusle gilt als eine der individuellsten und zugleich günstigsten Wohnmöglichkeiten für Studierende in Stuttgart. Es ist aus einem studentischen Projekt in den 1980er-Jahren entstanden. Unter der Leitung der Professoren Peter Sulzer und Peter Hübner errichteten rund 250 Studierende eine kleine Wohnanlage auf dem Campus Vaihingen, mitten im Grünen. 30 Studierende wohnen heute darin. Das Gebäude besteht überwiegend aus Holz und recycelten Baustoffen. Jedes Zimmer hat einen ganz eigenen Charakter. Die Ausstattung ist einfach, die Zimmer selbst eingerichtet. Es gibt Gemeinschaftsküchen und -duschen. Instandhaltung und Gartenpflege werden in Eigenregie übernommen. Über die Vergabe der Wohnplätze entscheiden die Bewohner und Bewohnerinnen per Auswahlgespräch selbst.

 

Studi-Story gibt zusätzliche Einblicke

Redaktionell begleitet wurde das Projekt von Rebecca Haase, einer Redakteurin der Studi-Story, dem Blog des Studierendenwerk Stuttgart. Dort berichtet sie heute über die Kooperation zwischen Bauhäusle und Seehaus. Dabei gibt sie spannende Einblicke in die Zusammenarbeit und die Gespräche, die sie mit den Jugendlichen, Ausbildern und Studierenden vor Ort geführt hat: https://www.studi-story.de/hand-in-hand-zusammen-erfolgreich/

Der Blog Studi-Story entstand im Juni 2014. Seitdem erscheinen hier wöchentlich Artikel rund um den Studienalltag, Wissenswertes aus dem Studierendenwerk sowie Veranstaltungs- und Literaturtipps. Die Redaktion besteht aus Studierenden.