Studierende und straffällige Jugendliche bauen neuen Wintergarten

  • Studierendenwerk Stuttgart und Seehaus e.V. setzen wertvolle Kooperation fort
  • Die studentische Wohnanlage Bauhäusle bekommt einen neuen Wintergarten
  • Der Aufbau erfolgt in zwei Etappen: vom 11.–13. Juni und vom 17.–19. Juni

    Das Bauhäusle ist eine der selbstverwalteten Wohnanlagen des Studierendenwerk Stuttgart. Errichtet wurde die außergewöhnliche Wohnanlage in den 1980er-Jahren als Projekt von rund 250 Studierenden. Das Besondere: Noch heute übernehmen die Mieterinnen und Mieter Instandhaltung und Gartenpflege im Bauhäusle selbst. Seit dem vergangenen Jahr werden sie dabei durch das Seehaus Leonberg unterstützt, einer Modelleinrichtung für straffällige Jugendliche mit Strafvollzug in freien Formen. Aktuell wird gemeinsam an einem neuen Wintergarten für das Bauhäusle gearbeitet. Der Aufbau erfolgt in der Zeit vom 11. bis zum 13. Juni sowie vom 17. bis zum 19. Juni.

    Die erfolgreiche Kooperation ist ein Gewinn für beide Seiten: Den Studierenden werden Handwerkskurse im Seehaus ermöglicht, sodass sie das Bauhäusle instand halten können. Gleichzeitig unterstützt das Studierendenwerk dadurch die wertvolle Arbeit, die das Seehaus leistet. Die Jugendlichen bekommen Zukunftsperspektiven aufgezeigt und können ihr erlerntes Wissen mit den Studierenden teilen. Mit der gemeinnützigen Arbeit, leisten sie einen symbolischen Ausgleich zur Wiedergutmachung ihrer Straftaten.

     

Gemeinsame Bauprojekte

Als erstes Gemeinschaftsprojekt wurde im Sommer letzten Jahres die Terrasse im Bauhäusle neu aufgebaut. In diesem Jahr steht nun der Wintergarten auf der Agenda: Wasserschäden, ein morscher Holzboden und Glasrisse wollen beseitigt werden. Entstehen soll ein neuer, größerer Wintergarten, der mehr Platz für gemeinsame Aktivitäten bietet und zum Verweilen einlädt.

Bereits seit Januar planen die Mieterinnen und Mieter mit Gerd Rühle, der im Bereich Zimmerei/Bau im Seehaus tätigt ist, den Neubau. Gemeinsam wurde eine Planungszeichnung für den Wintergarten angefertigt und die Materialbeschaffung besprochen. Einen Teil der benötigten Materialien werben die Studierenden über Spenden ein – wie in den 1980er-Jahren, als das Bauhäusle entstanden ist. So haben sie bereits Fenster von Unternehmen aus der Region erhalten, Dielen für den neuen Holzfußboden fehlen noch. Holzrahmen und Glasdach sind Maßanfertigungen und werden vom Studierendenwerk finanziert, genauso wie die Arbeitszeit der Seehaus-Beschäftigten für das Projekt im Bauhäusle.

Nachdem diese Woche der alte Wintergarten durch die Bewohnerinnen und Bewohner abgebaut wurde, beginnt kommende Woche die Arbeit am Neubau. Dafür erhalten die Studierenden professionelle Unterstützung durch Johannes Molineus und Michael Lutz, Ausbilder im Seehaus, sowie zwei ihrer Auszubildenden. Anfang Juli werden die Studierenden in Eigenregie noch einen neuen Dielenboden verlegen und eventuelle Restarbeiten erledigen – dann kann der Wintergarten genutzt werden.


Über das Seehaus

Das Seehaus Leonberg ist eine Modelleinrichtung für straffällige Jugendliche und Heranwachsende zwischen 14 und 23 Jahren mit Strafvollzug in freien Formen. Jugendliche, die bereit sind an sich zu arbeiten, können sich vom Jugendstrafvollzug aus für das Seehaus bewerben. Nach Zustimmung des Anstaltsleiters verbringen sie ihre gesamte Haftzeit im Seehaus. Bis zu sieben Jugendliche wohnen mit Hauseltern und deren Kindern zusammen und erfahren so – oft zum ersten Mal – funktionierendes Familienleben, Liebe und Geborgenheit. Gleichzeitig erwartet sie ein durchstrukturierter Arbeitsalltag mit festen Regeln, in dem sie ihren Schulabschluss nachholen oder das erste Lehrjahr in den Bereichen Holztechnik, Bautechnik und Metalltechnik absolvieren können.

 

Über das Bauhäusle

Das Bauhäusle gilt als eine der individuellsten und zugleich günstigsten Wohnmöglichkeiten für Studierende in Stuttgart. Es ist aus einem studentischen Projekt in den 1980er-Jahren entstanden. Unter der Leitung der Professoren Peter Sulzer und Peter Hübner errichteten rund 250 Studierende eine kleine Wohnanlage auf dem Campus Vaihingen, mitten im Grünen. 30 Studierende wohnen heute darin. Das Gebäude besteht überwiegend aus Holz und recycelten Baustoffen. Jedes Zimmer hat einen ganz eigenen Charakter. Die Ausstattung ist einfach, die Zimmer selbst eingerichtet. Es gibt Gemeinschaftsküchen und -duschen. Instandhaltung und Gartenpflege werden in Eigenregie übernommen. Über die Vergabe der Wohnplätze entscheiden die Bewohner und Bewohnerinnen per Auswahlgespräch selbst.