Studierende im Land haben monatlich 901 Euro zum Leben

  • Regionalauswertung der 21. Sozialerhebung: Neue Zahlen zur sozialen und wirtschaftlichen Lage der Studierenden in Baden-Württemberg
  • Fakten: 901 Euro Budget im Monat, Miete und Ernährung größte Ausgabenposten, jede/r Zweite hat Beratungsbedarf
  • Tobias M. Burchard, Geschäftsführer Studierendenwerk Stuttgart: „Die Leistungen der Studierendenwerke sind entscheidend für den Studienerfolg.“

 

Die Leistungen der Studierendenwerke in Baden-Württemberg werden von den Studierenden stark nachgefragt. Das geht aus einer neuen Studie – der Regionalauswertung für Baden-Württemberg – hervor. Tobias M. Burchard, der Geschäftsführer des Studierendenwerk Stuttgart, betont: „Bezahlbarer Wohnraum, preisgünstige Mensa-Essen, BAföG, Beratung, Kinderbetreuung: Die Leistungen der Studierendenwerke sind entscheidend für den Studienerfolg und Garanten für Chancengerechtigkeit.“

Mehr als 70.000 Studierende haben deutschlandweit an der 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks teilgenommen, knapp 8.000 davon aus Baden-Württemberg. Im Auftrag der Studierendenwerke Süd-West wurden nun die Daten zur wirtschaftlichen und sozialen Lage der Studierenden speziell für Baden-Württemberg ausgewertet.

Nach dieser Regionalauswertung verfügen allein wohnende und wirtschaftende Studierende in Baden-Württemberg im Schnitt monatlich über 901 Euro. Klare Unterschiede im Budget zeichnen sich bei der Bildungsherkunft ab: So haben Studierende aus der Gruppe „niedrige Bildungsherkunft“ monatlich 862 Euro Einkommen, während jenen aus „gehobener“ bzw. „hoher Bildungsherkunft“ pro Monat gut 60 Euro mehr zur Verfügung stehen. Das meiste Geld geht für Miete und Ernährung drauf.

 

Größter Ausgabeposten: 327 Euro Miete im Monat

Die Miete ist der mit Abstand größte Ausgabeposten im studentischen Budget. Gemäß der neuen Regionalauswertung geben die Studierenden in Baden-Württemberg 327 Euro im Monat dafür aus; das sind im Durchschnitt 37 Prozent ihrer Einnahmen.

Die Lage auf dem Wohnungsmarkt in Stuttgart ist angespannt. „Wohnraum ist knapp und teuer. Gerade das Budget der Studenten und Studentinnen, die BAföG beziehen, ist durch einen gesetzlich definierten Maximalbetrag von derzeit 250 Euro für Wohnkosten im Prinzip gedeckelt“, erklärt Geschäftsführer Tobias M. Burchard. „Nur: Das entspricht nicht der Realität auf dem Wohnungsmarkt.“

Jede bzw. jeder sechste Studierende in Baden-Württemberg lebt in einer studentischen Wohnanlage. 68 Prozent dieser Mieterinnen und Mieter haben sich wegen der Nähe zur Hochschule für diese Wohnform entschieden; 62 Prozent aufgrund der günstigen Miete. In den 35 Wohnanlagen des Studierendenwerk Stuttgart, mit mehr als 7.200 Wohnplätzen, beträgt die Warmmiete derzeit durchschnittlich 289 Euro. Burchard hebt hervor: „Nur Studierendenwerke haben den staatlichen, sozialen Auftrag, die Studierenden mit bezahlbarem Wohnraum zu versorgen. Wir agieren gemeinnützig, private Wohnheimanbieter hingegen folgen dem Prinzip der Renditemaximierung.“


5,60 Euro am Tag für Frühstück, Mittag- und Abendessen

Durchschnittlich 169 Euro geben Studierende jeden Monat für Essen und Trinken aus – pro Tag gerechnet sind dies 5,60 Euro. So gibt die Hälfte der Befragten in Bezug auf ihr Ernährungsverhalten an, sich am Preis zu orientieren.

Dank der Zuschüsse aus der staatlichen Finanzhilfe können Studierendenwerke in ihren Mensen Essen für Studenten und Studentinnen preiswert anbieten. In den acht Mensen des Studierendenwerk Stuttgart kostet das günstigste vegetarische Gericht 2,40 Euro. Das günstigste Fleischgericht gibt es täglich für 2,80 Euro.

Für gut die Hälfte der Studierenden im Land ist das Mittagessen die Hauptmahlzeit am Tag. Zwei Drittel nehmen dieses mindestens einmal pro Woche in der Mensa zu sich. 34 Prozent nutzen das Angebot mindestens dreimal wöchentlich.

 

Mehrheit der Studierenden mit Beratungsbedarf

Die Regionalauswertung zeigt weiter, dass 55 Prozent der Studierenden in den vergangenen zwölf Monaten zu mindestens einem Thema des studentischen Alltags Beratungsbedarf hatten. 45 Prozent von ihnen haben aktiv Beratungsangebote genutzt. Bei finanzbezogenen und persönlichen Themen nutzen Studierende bevorzugt Beratungsangebote außerhalb der Hochschule, wie sie Studierendenwerke anbieten – bei persönlichen Themen gar zu 83 Prozent.

 „Zu Beginn des Studiums, das für die meisten Studierenden einen neuen, unabhängigeren Lebensabschnitt bedeutet – aber auch im Verlauf – können sich viele Fragen und Probleme auftun“, stellt Friedrich Balassa, Vorstandsvorsitzender von stuvus, der Studierendenvertretung der Universität Stuttgart heraus. „Dies gilt vor allem für die größer werdende Zahl minderjähriger Studienanfänger sowie für die internationalen Studierenden, die neben der neuen Umgebung oft dem Problem der sprachlichen Barriere gegenüberstehen. In diesen Situationen ist die kostenlose Beratung durch das Studierendenwerk Stuttgart eine enorme Unterstützung.“ Allein die Sozialberatung des Studierendenwerk Stuttgart verzeichnete im Jahr 2017 mit 400 Beratungen einen Anstieg von 13,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Rechtsberatung nahmen knapp 500 Studierende in Anspruch, und die psychotherapeutische Beratungsstelle verzeichnete im selben Jahr rund 700 Ratsuchende und 1.886 Gespräche.

 

Studierende sind auf Leistungen der Studierendenwerke angewiesen

„Die Studierenden sind in hohem Maße auf die Leistungen der Studierendenwerke angewiesen – erst recht, wenn sie aus einkommensschwächeren Haushalten kommen“, resümiert Geschäftsführer Tobias M. Burchard. „Das zeigt die neue Regionalauswertung zur wirtschaftlichen und sozialen Lage der Studierenden in Baden-Württemberg ganz deutlich.“

Gut 342.000 Studierende sind an den Universitäten und Hochschulen in Baden-Württemberg eingeschrieben. Rund 62.000 studieren an den 14 Hochschulen in Stuttgart, Ludwigsburg, Esslingen, Göppingen und Horb, die das Studierendenwerk Stuttgart als Anstalt des öffentlichen Rechts seit bald 100 Jahren betreut.

Die soziale Infrastruktur des Studierendenwerk Stuttgart reicht vom bezuschussten Essen in den Mensen, über günstige Wohnplätze, hochschulnahe Kitas bis zur Beratung und Vermittlung von Studienfinanzierungen wie dem BAföG als auch der psychosozialen Beratung. „Unsere Angebote stehen allen Studierenden offen und sind aufgrund unserer gemeinnützigen Ausrichtung für alle erschwinglich“, sagt Burchard. Und er betont: „Um unseren gesetzlichen Auftrag auch in Zukunft leisten zu können und damit für Chancengerechtigkeit zu sorgen, ist eine zuverlässige finanzielle Unterstützung durch das Land zwingend erforderlich.“

 

Hintergrund: 21. Sozialerhebung und Regionalauswertung für Baden-Württemberg

Die Sozialerhebungen des Deutschen Studentenwerks sind eine Langzeituntersuchungsreihe zur wirtschaftlichen und sozialen Lage der Studierenden in Deutschland. Seit 1951 wird ein repräsentativer Querschnitt von Studierenden befragt. Die 21. Sozialerhebung wurde im Sommersemester 2016 vom Deutschen Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) als Online-Befragung durchgeführt, in Kooperation mit dem Deutschen Studentenwerk und mit Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Mehr als 70.000 Studierende haben teilgenommen. Auf Basis dieser Sozialerhebung hat das DZHW eine spezielle Regionalauswertung für Baden-Württemberg erstellt. Dieser liegen Aussagen von 7.983 Studierenden zugrunde.

 

Die Regionalauswertung für Baden-Württemberg finden Sie zum Download auf unserer Website: https://www.studierendenwerk-stuttgart.de/ueber-uns/publikationen/  

Die 21. Sozialerhebung mit den bundesweiten Daten finden Sie auf der Seite des Deutschen Studentenwerks: www.studentenwerke.de/de/content/sozialerhebung-des-deutschen-studentenwerks