Sind Parkplätze in Ludwigsburg wichtiger als studentische Wohnplätze?

  • CDU-Fraktion stimmt im Gemeinderat gegen studentische Wohnanlage am Campus Königsallee und fordert mehr Pkw-Stellplätze
  • Studentische Wohnplätze werden vom Land mit maximal 8.000 Euro je Platz bezuschusst, Pkw-Stellplätze hingegen nicht. Die Kosten je Tiefgaragenplatz liegen bei gut 117.250 Euro
  • Tobias M. Burchard, Geschäftsführer des Studierendenwerk Stuttgart: „Um Mieten für Studierende bezahlbar zu halten, dürfen Baukosten nicht explodieren. Andernfalls scheitert das Bauvorhaben.“
  • Modernes Mobilitätskonzept bietet nachhaltige Alternative: 200 Fahrradstellplätze, Lastenräder, Ladeplatz für Elektrofahrzeuge und Carsharing
  • Regionale Auswertung der 21. Sozialerhebung zeigt: In der Hochschulregion Stuttgart mit Ludwigsburg nutzen nur 2 Prozent der Studierenden das Auto für den Weg vom Wohnheim zur Hochschule, 98 Prozent bewegen sich umweltfreundlich fort


    Das Studierendenwerk Stuttgart plant am Campus Königsallee den Bau von 300 studentischen Wohnplätzen. Wohnraum für Studierende, der in Ludwigsburg dringend benötigt wird – darin scheinen sich alle politischen Parteien grundsätzlich einig. Etwa 10.500 Studentinnen und Studenten sind aktuell an den drei Hochschulen und zwei Akademien der Stadt eingeschrieben, die das Studierendenwerk Stuttgart betreut. Allein zum letzten Wintersemester standen noch 460 Studierende auf der Warteliste und hofften auf einen Wohnheimplatz in Ludwigsburg.

    Der Gemeinderat stimmte dem Bebauungsplan für die studentische Wohnanlage am vergangenen Mittwoch, 15. Mai zu – allein die CDU Fraktion stimmte geschlossen dagegen. Sie forderte deutlich mehr Parkplätze, wie die Ludwigsburger Kreiszeitung am 23. Mai berichtete: Die vorgesehenen 37 Tiefgaragenstellplätze würden für 300 studentische Wohnplätze nicht ausreichen, denn „viele Studenten kommen auch mit dem Auto“, behauptet CDU-Fraktionsvorsitzender Klaus Herrmann.

     

98 % der Studierenden aus Wohnheimen kommen ohne PKW zur Hochschule

Die Ergebnisse der 21. Sozialerhebung bzw. deren Regionalauswertung für die Hochschulregion Stuttgart mit Ludwigsburg, zeigen ein deutlich anderes Bild: Gerade einmal 2 Prozent der Studierenden, die in Wohnheimen wohnen, nutzen hier im Sommer für ihren Weg vom Wohnheim zur Hochschule das Auto (im Winter 6 Prozent). Weit über die Hälfte fahren mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad zur Hochschule, 39 Prozent gehen zu Fuß.

Denn gerade die Nähe zur Hochschule ist ein Hauptgrund für Studierende, sich ein Zimmer im studentischen Wohnheim zu suchen (86 Prozent). Darüber hinaus überzeugen die preisgünstigen Mieten (79 Prozent), welche das Studieren für viele erst möglich machen. Durchschnittlich 289 Euro beträgt die Warmmiete in den Wohnanlagen des Studierendenwerks derzeit.

Tobias M. Burchard, Geschäftsführer des Studierendenwerk Stuttgart betont: „Als Studierendenwerk haben wir den gesetzlichen, sozialen Auftrag, Studierende mit bezahlbarem Wohnraum zu versorgen. Während private Wohnheimanbieter dem Prinzip der Renditemaximierung folgen, agieren wir gemeinnützig. Damit auch die neuen Wohnplätze in Ludwigsburg zu fairen und sozialen Preisen für Studierende angeboten werden können, dürfen die Baukosten nicht explodieren. Die Studierenden verfügen ausnahmslos über ein bereits mit der Solidarfinanzierung finanziertes VVS-Ticket. Weitere Forderungen außerhalb des satzungs- und gesetzlichen Auftrags werden zu einem Scheitern des Bauvorhabens führen. Wir sind zuversichtlich, dass die Stadtverwaltung das Bebauungsplanverfahren mit diesem eindeutigen Gemeinderatsbeschluss nun fortführen wird.“


37 Tiefgaragenstellplätze verursachen Kosten von 4,33 Millionen Euro

Gefördert werden die Bauprojekte des Studierendenwerks durch das Land, das Grundstücke in Erbbaupacht zur Verfügung stellt. Das Ministerium für Wissenschaft Forschung und Kunst bezuschusst jeden Wohnplatz mit derzeit 8.000 Euro. Pkw-Stellplätze hingegen werden nicht gefördert – von der Landesbauordnung und den Kommunen aber gefordert.

Die Kosten von rund 117.250 Euro je Tiefgaragenstellplatz trägt das Studierendenwerk Stuttgart beim geplanten Studierendenwohnheim auf dem Campus Königsallee komplett selbst. Bei den vorgesehenen 37 Stellplätzen müssen also 4,33 Millionen Euro allein für das Parken investiert werden. Weitere Stellplätze würden die Baukosten – und damit später auch die Mieten – erheblich in die Höhe treiben. Das Bauprojekt wäre wirtschaftlich nicht mehr tragbar und die dringend benötigten Wohnplätze würden weiterhin fehlen.

Professor Fix, Rektor der PH Ludwigsburg und Professor Ernst, Rektor der HVF Ludwigsburg sind sich einig: „Die Zurverfügungstellung von Wohnheimplätzen ist eine zentrale Voraussetzung für den regelmäßigen Studienbetrieb und die beste Möglichkeit zur Vermeidung von Parkplatzproblemen: Durch die hochschulnahe Unterbringung in Ludwigsburg wird die tägliche Anfahrt zu den Lehrveranstaltungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln, dem Fahrrad bzw. zu Fuß erst ermöglicht.“

 

Umweltfreundliches Mobilitätskonzept als Alternative zum Auto

Für die studentische Wohnanlage am Campus Königsallee sind daher 200 Fahrradstellplätze und zehn Stellplätze für Lastenräder geplant. Auch eine Fahrradreparaturstation soll es geben. Zudem sollen vier Ladeplätze für Elektrofahrzeuge zur Verfügung stehen sowie eine Leihstation für Elektrolastenräder und eine Carsharing-Station. Das Studierendenwerk steht bereits im Gespräch mit Anbietern.

„Die vom Studierendenwerk vorgesehenen Maßnahmen entsprechen auch den Mobilitätskonzepten der Hochschulen und können wirkungsvoller sein als Tiefgaragenplätze für Studierende, die dann gar kein Auto mehr benötigen, wenn sie hier wohnen“, so Fix weiter. 

Die Hochschulen in Ludwigsburg sind vom Standort Königsallee aus gut mit den öffentlichen Verkehrsmitteln oder zu Fuß erreichbar. Mit dem Fahrrad dauert es maximal 15 Minuten. „An diesen Gegebenheiten orientiert sich unser Mobilitätskonzept, mit dem wir ein nachhaltiges Verhalten der Studierenden fördern wollen“, erklärt Tobias M. Burchard. „Die Stadtverwaltung und Bürgermeisterin Gabriele Nießen haben die Zukunftschancen dieses Konzepts für die Stadt wie für die Umwelt erkannt und unterstützen dankenswerterweise seine Umsetzung."

 

Mehr Informationen zur 21. Sozialerhebung finden Sie auf der Seite des Deutschen Studentenwerks: http://www.sozialerhebung.de/

Die Ergebnisse der 21. Sozialerhebung bzw. deren Regionalauswertung für die Hochschulregion Stuttgart mit Ludwigsburg finden Sie auf unserer Website als Anlage zu dieser PM: Punkt 4. Wohnsituation (S. 6-13).