Preiswürdige Ideen für eine studentische Wohnanlage der Zukunft

Im Auftrag des Studierendenwerk Stuttgart sichtete und beurteilte das Preisgericht die Wettbewerbseinreichungen zur studentischen Wohnanlage am Campus Königsallee in Ludwigsburg. Vergeben wurden Preise in einem Gesamtwert von 68.000 Euro. Die eingereichten Modelle und Pläne der Architekturbüros werden noch bis einschließlich 7. Februar in der Studiengalerie an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg öffentlich ausgestellt. Das Bauprojekt soll zum Wintersemester 2020/21 bezugsfertig sein.

Bis um 18:00 Uhr tagte das Preisgericht am gestrigen Montag, 5. Februar, um die Preisträger und Preisträgerinnen des mit 68.000 Euro dotierten Architektenwettbewerbes zu ermitteln. Durch ein vorgeschaltetes, qualifiziertes Bewerbungs- und Auswahlverfahren war die Zahl der zugelassenen Einreichungen zuvor auf 15 begrenzt worden. Rund acht Stunden begutachtete und bewertete die 30-köpfige Fachjury die letztendlich 13 eingereichten Entwürfe und Modelle.

Stimmberechtigt waren ausgewählte Stadtplaner, Architektinnen und Architekten aus Baden-Württemberg, die als Fachpreisrichter fungierten sowie als Sachpreisrichter bzw. -richterinnen die Rektoren zweier Hochschulen aus Ludwigsburg, verantwortliche Personen der beteiligten Ministerien sowie der Geschäftsführer des Studierendenwerk Stuttgart. Den Vorsitz des Preisgerichtes führte Wolfgang Riehle, Architekt und Stadtplaner aus Reutlingen. „Wir haben uns die Entscheidung wahrlich nicht leicht gemacht“, äußert der langjährige Präsident der Architektenkammer Baden-Württemberg. „Die beteiligten Architekturbüros entwickelten ganz unterschiedliche, sehr kreative Ideen für das Bauprojekt auf dem Campus Königsallee mit bis zu 230 Wohnplätzen für Studierende.“ 

Das Preisgericht bewertete nach den Kriterien: Entwurfsidee, Funktionalität, städtebauliches und freiraumplanerisches Konzept, architektonische und gestalterische Qualität, Angemessenheit der Mittel und Materialien sowie die Wirtschaftlichkeit in punkto Bauökonomie, Nachhaltigkeit und Betrieb. Das Büro Schreiberplan aus Stuttgart, vom Studierendenwerk mit dem Wettbewerbsmanagement beauftragt, achtete im Voraus auf die strikte Anonymisierung der Einreichungen, um so Objektivität und Fairness zu garantieren.

 

Die drei Preisträger und ihre Entwürfe

Durchsetzen konnte sich unter der Tarnzahl 1041 schließlich die Reichel Schlaier Architekten GmbH aus Stuttgart, die für den ersten Platz 30.000 Euro Preisgeld erhält. „Ihr Entwurf überzeugte das Preisgericht vor allem durch das stadträumliche Setzen von zwei winkelförmigen Baukörpern. Die bestehenden Gebäude der Familienkasse als auch der Wohnturm werden dadurch beinahe wie selbstverständlich eingebunden. Gleichzeitig fügen sich die Neubauten geschickt in die vorhandene Topografie ein. Abgetreppte Freibereiche schaffen hier attraktive Zonen mit Aufenthaltsqualität“, erläutert Stefan Schneider, Architekt und Abteilungsleiter Wohnen des Studierendenwerk Stuttgart. 

Den zweiten Preis im Wert von 24.000 Euro gewinnen Tusker Ströhle Freie Architekten BDA – ebenfalls aus Stuttgart – unter der Tarnzahl 1042. Das Preisgericht würdigte, dass ihr Entwurf eines winkelförmigen Baukörpers angenehm proportionierte Außenräume schafft. Durch die Betonung des Kopfes wird zudem subtil auf das bestehende Hochhaus reagiert, wodurch ein insgesamt stimmiges Ensemble entsteht. 

Unter der Tarnzahl 1050 geht der dritte Platz an bogevischs buero architekten & stadtplaner gmbh aus München und wird mit 14.000 Euro honoriert. Ihr Konzept eines L-förmigen Gebäudeensembles zeichnet sich vor allem durch die klare Gliederung und die gut proportionierte Grundfigur aus, die einen angemessenen Freiraum zum Innenhof schafft.

Zu besichtigen sind die drei ausgezeichneten Entwürfe sowie alle weiteren Einreichungen zum EU-weit ausgeschriebenen nichtoffenen Realisierungswettbewerb noch bis einschließlich Mittwoch, 7. Februar um 17.00 Uhr. Die Ausstellung befindet sich in den Räumen der Studiengalerie an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg. 

 

Das Projekt Wohnen für Studierende auf dem Campus Königsallee 

Die neue studentische Wohnanlage mit einer maximalen Höhe von 17 Metern entsteht auf dem Campus Königsallee im Kasernenareal der Ludwigsburger Oststadt. Auf der rund 3.700 qm großen Fläche in stadtzentraler Lage, welche das Land Baden-Württemberg dem Studierendenwerk Stuttgart in Erbpacht zur Verfügung stellt, werden – je nach Entwurf – bis zu 230 neue Wohnplätze geschaffen, vorwiegend in Vierer- und Sechser-Wohngemeinschaften. Auch Gemeinschaftsräume zum Lernen und Feiern sind vorgesehen. In das Gesamtensemble ist zudem ein bestehendes Wohnhochhaus aus den 60er-Jahren mit weiteren 60 bis 70 Wohnplätzen städtebaulich zu integrieren. Das Studierendenwerk Stuttgart plant die Fertigstellung der neuen Wohnanlage zum September 2020.

Doch bevor die ersten Studierenden voraussichtlich zum Wintersemester 2020/21 einziehen können, sind noch etliche Schritte notwendig: Das Studierendenwerk wird, entsprechend der Vergabeverordnung, mit einem oder auch mehreren Preisträgern über die weitere Planung und Beauftragung verhandeln. Im Frühjahr 2018 wird dann das Bebauungsplanverfahren eingeleitet, denn der aktuell rechtsverbindliche Bebauungsplan aus dem Jahr 1960 muss auf der Grundlage der Wettbewerbsergebnisse angepasst werden. Auch ein Mobilitätskonzept soll gemeinsam mit der Stadt Ludwigsburg erarbeitet werden. 

 

Hintergrund: Aktuelle Wohnsituation für Studierende in Ludwigsburg

Die Zahl der Studierenden an den Hochschulen in Ludwigsburg hat die letzten Jahre kontinuierlich zugenommen. Waren vor drei Jahren an den fünf Hochschulen der Barockstadt rund 9.000 Studierende eingeschrieben, so erhöhte sich die Zahl auf aktuell 10.446 Studierende im Wintersemester 2017/18. Mehr Studierende bedeutet natürlich eine höhere Nachfrage nach günstigem Wohnraum.

Derzeit bietet das Studierendenwerk Stuttgart bereits 866 Wohnplätze in zwei studentischen Wohnanlagen in Ludwigsburg an. Die Warmmieten dort liegen mit 238 bis 360 Euro deutlich unter dem marktüblichen Mietspiegel. Mit der neuen Wohnanlage am Campus Königsallee wird die Situation positiv entlastet. 

Ein weiteres, zweites Bauprojekt, bei dem das Studierendenwerk Stuttgart ebenfalls Bauherr ist, befindet sich in Eglosheim. In der dortigen Eduard-Spranger-Straße entsteht ein Neubau mit geplanten 49 Wohnplätzen. Zudem wird von Vermögen und Bau, Amt Ludwigsburg derzeit ein Masterplan für den Campus Ludwigsburg ausgearbeitet, der zusätzliche Wohnplätze für die Zukunft vorsieht.