Kopf braucht Dach: Mehr bezahlbarer Wohnraum für Studierende

Bundesweiter Aktionstag der deutschen Studenten- und Studierendenwerke

Am heutigen Mittwoch, 19. September haben die Studenten- und Studierendenwerke Deutschland einen bundesweiten Aktionstag zur Kampagne „Kopf braucht Dach“ ins Leben gerufen. Mit Blick auf den Wohngipfel der Bundesregierung am 21. September, wollen sie gemeinsam auf die Wohnraumproblematik für Studierende aufmerksam machen und fordern mehr Unterstützung von der Politik auf Bundes-, Länder- und kommunaler Ebene.

„Wohnen ist teuer. Die Mietpreisentwicklung in Stuttgart und an anderen Hochschulstandorten ist atemberaubend“, beklagt Tobias M. Burchard, Geschäftsführer des Studierendenwerk Stuttgart. „Gerade für Studierende mit einem schmalen Budget ist der Mangel an bezahlbarem Wohnraum ein Problem. Sie sind auf die günstigen Zimmer in unseren Wohnanlagen angewiesen.“ Doch während die Zahl der Studienplätze seit 2008 um 45 Prozent gestiegen ist, konnten die 58 Studierendenwerke in Deutschland die Zahl der Wohnheimplätze lediglich um knapp acht Prozent steigern. Mit ihrer bundesweiten Kampagne „Kopf braucht Dach“ fordern die Studierendenwerke daher mehr staatliche Unterstützung beim Neubau und bei der Sanierung von studentischen Wohnanlagen. Ihr Appell: Bezahlbarer Wohnraum ist eine Frage der Bildungsgerechtigkeit. Die Wahl des Studienorts darf nicht von der finanziellen Situation der Studierenden abhängen.

 

Forderungen an die Politik: Der Hochschulsozialpakt

Um insbesondere das Studienhoch zu bewältigen, das 2005 aufgrund der doppelten Abiturjahrgänge prognostiziert wurde, haben Bund und Länder erstmals im Jahr 2007 einen gemeinsamen Hochschulpakt unterzeichnet. Dadurch soll unter anderem allen, die studieren wollen, einen Studienplatz ermöglicht werden. Gemeinsam finanzieren Bund und Länder, laut Website des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, bis zu 760.033 zusätzliche Studiermöglichkeiten. Die Studierendenwerke verweisen mit Nachdruck darauf, dass bei der Förderung von Wissenschaft und Hochschulbildung die soziale Infrastruktur rund um das Studium nicht übersehen werden darf. Diese muss parallel zu den Studienplätzen ausgebaut werden.

Analog zum Hochschulpakt fordern sie daher einen Hochschulsozialpakt zwischen Bund und Ländern: Finanzielle Unterstützung wird zum Beispiel für den Bau und die Sanierung von Wohnheimen sowie Mensen und Cafeterien für Studierende dringend benötigt. Eine gut funktionierende soziale Infrastruktur trägt erheblich dazu bei, dass ein Studium gelingt. Darüber hinaus wird ein Hochschulstandort durch sie attraktiv und zieht zukünftige, hochqualifizierte Arbeitskräfte an.

 

Bauvorhaben des Studierendenwerk Stuttgart

In Baden-Württemberg gibt es aus dem Studierendenwerk Stuttgart positive Neuigkeiten: Bis 2021 sind am Campus Stuttgart-Vaihingen sowie in Ludwigsburg gut 1.400 zusätzliche Zimmer für Studierende geplant – durch eigene Neubauten oder die Anmietung neuer Objekte. Ermöglicht werden die Bauvorhaben durch das Land Baden-Württemberg, das dem Studierendenwerk Grundstücke in Erbbaupacht überlassen hat. Unterstützung wird aber auch auf kommunaler Ebene benötigt: „Wir wünschen uns schnellere Baugenehmigungsverfahren durch die Landeshauptstadt“, so Stefan Schneider, Leiter der Abteilung Wohnen, Bau und Technik im Studierendenwerk. „Nur so können wir zügig mit dem Bau beginnen und den Studierenden frühestmöglich mehr Wohnraum zur Verfügung stellen.“

Wie wichtig diese Unterstützung auf kommunaler Ebene ist, zeigt eine Gemeinderatssitzung aus Ludwigsburg, über die auch die Stuttgarter Zeitung am 26. Juli berichtete: Für die geplante studentische Wohnanlage in der Königsallee mit gut 200 Wohnplätzen, beantragte die CDU zwingend eine zweistöckige Tiefgarage vorzuschreiben. Sozialbürgermeister Konrad Seigfried appellierte in der kontrovers geführten Diskussion, sich dem dringend benötigten Wohnraum für Studenten nicht zu verschließen. Zum Wohl der Studierenden wurde der Antrag mit breiter Mehrheit abgelehnt.

Geschäftsführer Tobias M. Burchard zieht ein Fazit: „Wir werden gut 1.400 neue Wohnplätze für Studierende in Stuttgart und Ludwigsburg schaffen, gleichzeitig müssen wir dieses große Maß an Bauvolumen, das wir haben, erhalten und unterhalten. Dafür sind eine hohe Kapitalausstattung und eine ungeschmälerte finanzielle Unterstützung durch das Land unabdingbar. Nur so können wir auch in Zukunft bezahlbare Mieten gewährleisten.“

 

Jede Stimme zählt!

Die Wohnanlagen des Studierendenwerk Stuttgart sind preisgünstig und entweder hochschulnah oder im Stadtzentrum gelegen, mit guter Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel. Das wissen die Studierenden zu schätzen. Manuel Kansy ist stellvertretender Studierendensprecher der Studierenden-Vertretung an der DHBW Stuttgart. Er lebt selbst in einer Wohnanlage des Studierendenwerks: „Von der Lage und dem Preis-Leistungs-Verhältnis sind die Wohnplätze absolut unschlagbar“, so Kansy. Damit dieses Angebot erhalten und ausgebaut werden kann, laden die Studierendenwerke alle Studierenden ein, politisch aktiv zu werden und die Kampagne „Kopf braucht Dach“ zu unterstützen. Auf der Kampagnen-Website www.mein-studentenwohnheim.de/mitmach-aktion können sie sich mit ihrer Stimme für mehr bezahlbaren Wohnraum stark machen. Gemeinsam soll so die Aufmerksamkeit in Politik und Öffentlichkeit gesteigert werden.