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Studi-Story

Sind die Meere noch zu retten?

Über die UN-Konferenz zum Schutz der Weltmeere
Text: 
Lena Arndt
14. Juni 2017

Während der Präsident der USA erst kürzlich beschloss, aus dem Pariser Klimaabkommen auszusteigen, tagte in der letzten Woche die erste UN-Konferenz zum Schutz der Meere. 193 Nationen beteiligten sich rege an der Diskussion, über 1.300 Meeresschutzprojekte wurden vorgestellt und am Ende ein Aktionsplan unterzeichnet. Wird dieser Plan eingehalten, könnten bis 2020 weltweit mehr als zehn Prozent des Meeresgebiets geschützt sein.

Die fünf "Plastikteppiche" sind über alle Weltmeere verteilt. (Bild: Nasa)

Schwerpunkt der UN-Konferenz war der Plastikmüll, der sich im Meer ansammelt. Man rechnet damit, dass bereits 2050 mehr Plastikteilchen als Fische im Meer schwimmen werden. Aufgrund strudelartiger Strömungen haben sich bereits jetzt fünf riesige "Plastikteppiche" gebildet, die durch die Ozeane treiben. Der Grund dafür: Von den 300 Millionen Tonnen Plastik, die jedes Jahr weltweit produziert werden, gelangen nur 14 Prozent ins Recycling. Ein Großteil des Rests landet im Meer. In der Abschlusserklärung der UN-Konferenz hielten die Teilnehmenden fest, dass man den Einsatz von Plastik auf freiwilliger Basis reduzieren möchte. All diese Zahlen beziehen sich allerdings nur auf den sichtbaren Plastikmüll. Das viel größere Problem stellt allerdings das sogenannte Mikroplastik dar, also Kunststoffteilchen, die kleiner als fünf Millimeter sind. Mikroplastik findet sich beispielsweise in peelenden Kosmetikprodukten, in Fließstoffen und auch bei abgefahrenen Autoreifen. Kläranlagen können die kleinen Kunststoffpartikel nicht filtern, so dass sie in den Flüssen landen und von dort wiederum in die Ozeane gelangen. Mittlerweile haben Wissenschaftler/innen sogar im arktischen Eis Mikroplastik entdeckt. Im Meer verfangen sich die Partikel in Algen, die den Fischen als Nahrung dienen. Auf diesem Weg gelangt der Plastikmüll etwa in Form eines Fischfilets auf unsere Teller zurück. Ein makaberer Kreislauf, der in den nächsten Jahren zu großen gesundheitlichen Problemen führen kann.

Das "Great Barrier Reef" vor der Küste Australiens gehört zum Weltkulturerbe und wohl bald der Vergangenheit an.

Daran zeigt sich, dass das Meer nicht nur ein geschlossenes Ökosystem ist, sondern sich auch stark auf die Umwelt auswirkt. Ein Symbol dafür ist mittlerweile das in Australien liegende Great Barrier Reef, das größte Korallenriff der Erde. Innerhalb des letzten Jahres kam es zweimal zu sogenannten Korallenbleichen – eine Folge der Klimaerwärmung. Die  Wassertemperatur stieg um vier Grad an, weshalb die sehr empfindsamen Korallen absterben. Diese Temperaturen sind ihnen einfach zu hoch. Doch nicht nur die Korallen drohen zu verschwinden, sondern auch Tier- und Pflanzenarten, die dieses Riff bewohnen. Man schätzt, dass über eine Million verschiedener Organismen dort leben. Von diesen sind bisher nur rund 65.000 erforscht. Wissenschaftler/innen setzen in manche Organismen als Mittel zur Bekämpfung  diverser Krankheiten große Hoffnungen. In der Vergangenheit fanden sie in den Pflanzen Substanzen, die mittlerweile etwa gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Asthma und Magengeschwüre eingesetzt werden.

Der Teil eines Eisberges bricht ab.

Neuesten Studien zufolge nehmen die Ozeane 90 Prozent der Wärme auf, die durch den Treibhauseffekt auf der Erde gehalten werden. Die Folgen zeigen sich beispielsweise in der Versauerung der Meere, die die Artenvielfalt gefährdet, und im Wegschmelzen der Polkappen. Dadurch wiederum steigt der Meeresspiegel kontinuierlich an. Die Erderwärmung und ihre Folgen sind deshalb besonders bei den Inselstaaten ein großes Thema, deren Bevölkerung sich in ihrer Existenz bedroht fühlt. Während die Vertreter/innen der meisten Länder auf der Konferenz den Passus zur Verminderung des CO2-Ausstoßes akzeptierten, distanzierte sich  die USA davon. Deren Präsident Donald Trump hält die Erderwärmung für eine Erfindung der Chinesen, die dadurch die amerikanische Industrie schwächen wollen. Auch das zeigt den großen Knackpunkt der Konferenz zum Schutz der Meere auf, denn so froh man nun auch über das längst überfällige Treffen der Nationen sein kann: Der Aktionsplan ist nicht bindend und somit ist anzuzweifeln, dass sich in den nächsten Jahren ohne ein festes Abkommen etwas ändern wird. Bis zum G-20-Gipfel, der am 7. und 8. Juli in Hamburg stattfindet, bleibt die Umsetzung des Aktionsplans also erstmal ein bloßes Prestigeprojekt.

Ihr wollt noch mehr zu diesem Thema erfahren? Dann lest die Studi-Story der vergangenen Woche zum Thema "Die Verteilung der Weltmeere".

Die Autorin:
Lena Arndt studiert an der Universität Stuttgart Germanistik und Politikwissenschaften. Bereits seit vielen Jahren interessiert sie sich für Journalismus und ganz besonders für Medienpolitik. Beim Hochschulradio moderiert sie die Sendung Muluszeit.

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