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Studi-Story

Zu Hause schmeckt's am besten

Heimat auf dem Teller, Teil 1
Text: 
Rebecca Haase
18. Mai 2017

Um mit anderen Menschen ins Gespräch zu kommen, eignet sich das Thema Essen hervorragend, denn eigentlich haben alle etwas beizutragen. Zumindest ein Lieblingsessen hat jede/r. Die Erinnerungen daran gehen oftmals zurück in frühere Zeiten, die durch eine rosarote Brille betrachtet werden. Aber auch mit der Heimat werden Assoziationen hergestellt, die besonders stark sind, wenn man sich nicht dort befindet. Deshalb sprachen wir mit zwei Sprachlernenden über ein Stück ihrer Heimat auf ihrem Teller.

Dani und Olga, DaF-Lernende und Gourmets (Bild: Rebecca Haase)

Wenngleich insbesondere geflüchtete Deutschschüler/innen aus Syrien in den Medien und im Bewusstsein der meisten auftauchen, so gibt es doch viele Menschen aus unterschiedlichen Ländern, die hier in Deutschland diese für sie neue Sprache lernen. Was die beiden Deutschlernenden Olga und Dani über Essen in Verbindung mit ihrer Heimat Russland und Syrien denken, fanden wir im Gespräch mit ihnen heraus.

Studi-Story: Was hat für Euch Heimat mit Essen zu tun?

Dani: Das landestypische Essen ist ein wichtiger Teil der Kultur dieses Landes. Und wenn jemand seine Heimat verlässt, ist das Essen eine Möglichkeit, seine Kultur zu pflegen und alte Erinnerungen an zuhause zu wecken.

Olga: Viele Menschen verbinden ein Land mit seinem Nationalgericht: Italien mit Pizza, Japan mit Sushi, Mexiko mit Burrito. Meine Heimat ist Russland und dort gibt es unterschiedliche Küchen von vielen verschiedenen Völkern.

Studi-Story: Was sind denn typische Gerichte in Euren Heimatländern Russland und Syrien?

Olga: Ein typisches Mittagessen besteht aus zwei Gängen. Zuerst gibt es eine Suppe aus Fleisch mit Gemüse oder Graupen. Die Bekannteste ist eine Kohlsuppe, die "Schii" genannt wird. Als zweiten Gang gibt es ein Fleisch- oder Fischgericht mit Gemüse. Aber das wohl bekannteste russische Essen heißt "Blini", ein Pfannkuchen, der mit verschiedenen Dingen wie saurer Sahne, Pilzen oder Konfitüre gefüllt wird.

Dani: Oh stimmt, das kenne ich. Lecker! Ein typisches Gericht aus Syrien sind mit Reis und Fleisch gefüllte Zucchini. Aber mein Lieblingsgericht ist Reis mit Erbsen, denn es erinnert mich an einen guten, sonnigen Tag in meiner Heimat. Als ich nach Deutschland gekommen bin, habe ich meine Mutter angerufen und sie gleich nach dem Rezept gefragt.

Das syrische Gericht Reis mit Erbsen (Bild: Rebecca Haase)

Für zwei Portionen von Danis Lieblingsgerichts braucht Ihr 300 g Reis, 250 g grüne Erbsen, 200 g Mais, und 200 g Rosinen. Zuerst müsst Ihr die grünen Erbsen mit Olivenöl für eine Minute kochen. Danach fügt Ihr den Reis und einen halben Liter Wasser hinzu. Wenn die Flüssigkeit kocht, kommen der Mais, die Rosinen sowie Salz und Pfeffer hinein. Sobald das Wasser verdunstet ist, könnt Ihre das Gericht probieren und nochmals abschmecken. Dazu schmeckt am besten Joghurt.

Studi-Story: Olga, erinnert dich dein Lieblingsessen auch an etwas Bestimmtes?

Olga: Ja, denn mit dem Gebäck Kulitschi verbinde ich eine besonders warme Erinnerung. Jedes Ostern buk meine Mutter traditionelle Backwaren, die auf Russisch "Kulitschi" heißen. Meine Schwester und ich halfen ihr dabei. Nachdem sie fertig waren, verteilten wir sie in allen Zimmern. Infolgedessen verbreitete sich in der ganzen Wohnung ein wohliges, zuckersüßes Aroma. Bis zum Ostersonntag durften wir sie nicht essen. Sonntagsfrüh genossen wir dann alle zusammen Kulitschi und gefärbte Eier.

Das russische Ostergebäck Kulitsch (Bild: Rebecca Haase)

Für das Ostergebäck Kulitsch braucht Ihr 175 ml lauwarme Milch, 1 Würfel Hefe, 125 g Zucker, 3 Eier, 450 g Mehl, 100 g Saure Sahne, 100 g Margarine, 1 Päckchen Vanillezucker, eine Prise Salz,100 g Rosinen, 20 ml Sonnenblumenöl und Puderzucker. Für den Teigansatz verrührt Ihr 100 ml Milch, einen Esslöffel Zucker, die zerbröselte Hefe und lasst alles an einem warmen Ort 20 Minuten gehen. In der Zwischenzeit trennt Ihr zwei der drei Eier, schmelzt die Margarine und schlagt ein ganzes Ei und zwei Eigelbe schaumig. Saure Sahne, Margarine, Vanillezucker, Salz, Sonnenblumenöl und Rosinen werden hinzugefügt. Dann fügt ihr die restliche Milch und den Teigansatz hinzu und gebt portionsweise das Mehl bei. Um einen guten Teig zu erhalten, müsst Ihr ihn mit eingeölten Händen mindestens zehn Minuten durchkneten. Anschließend müsst Ihr ihn an einem warmen Ort gehen lassen. Wenn sich der Teig verdoppelt hat, gibt man ihn zum Backen in kleine Backformen, ofenfeste Tassen oder auch runde Dosen. Mit letzteren bekommen sie ihre traditionelle Form einer Kirchenkuppel. Die Backzeit bei 175 °C variiert je nach Größe der Form. Mit einem Holzstäbchen könnt Ihr testen, ob der Teig durchgebacken ist. Sobald daran kein Teig mehr kleben bleibt, sind die Kulitschi fertig. Für das weiße "Dach" des Gebäcks schlagt Ihr die restlichen zwei Eiweiße mit ca. 120 g Puderzucker, bis die Masse steif wird. Damit bestreicht man die noch warmen Kulitschi und bestreut sie mit bunten Zuckerstreuseln. Wir wünschen Euch gutes Gelingen beim Nachkochen und -backen. Lasst es Euch schmecken! Wenn Euch dieser Artikel gefallen hat, freut Euch auf eine ganze Reihe kulinarischer Köstlichkeiten aus Ländern der ganzen Welt mit Geschichten aus der Küche.

Die Autorin:

Rebecca Haase studiert Kunstgeschichte an der Universität Stuttgart und unterrichtet voller Elan Deutsch als Fremdsprache. Außerdem interessiert sie sich für die Themen Kultur und Sprache. Im Magazin "Kulturgeflüster" beim Hochschulradio Horads 88,6 berichtet sie über das aktuelle, kulturelle Angebot Stuttgarts.

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